Zurück zu Teil 2: Feminismus

#aufschrei Initiatorin und Vorzeige-Feministin Anne Wizorek gibt sich wortkarg an diesem Samstag Nachmittag. In der Woche hatte sie noch einen halbstündigen Vortrag über Meinungsfreiheit im Internet gehalten1. Die Debattenkultur ist nämlich offensichtlich kaputt. Da braucht es Expertinnen, die möglichst emotional unbelegte Erlebnisse schildern.

Zensur? Nein, nein. Über Zensur dürfen sich die Leute wirklich nicht beschweren, wenn sie ein automatisierter Blocker-Algorythmus daran hindert, Menschen wie Anne Wizorek auf die Fehler in ihren Argumenten und ihrer Schilderung der Ereignisse hinzuweisen. Die Anne Wizoreks dieser Welt können dann ungestört in ihrer Blase hausen.

Ich selbst bin auch schon auf einer Block-Liste gelandet. Seit dem Beginn der #GamerGate Kontroverse im August letzten Jahres folge ich einigen prominenten Befürwortern. Das genügte schon, um mich ohne weitere Prüfung daran zu hindern, mit jemandem zu sprechen, der auf den Rat von Anne Wizorek oder einer ihrer Gesinnungsschwestern hin seinen Twitter-Account sperrt.

Ihrem Vortrag auf der re:publica zur Folge, ist die Sachlage aber ganz einfach: Diese Verfahren dienen dazu „Arschlöchern die Tür zu zeigen.“

#GamerGate

Damals im August 2014 wurden die Leser amerikanischer Online-Portale zum Thema Computer- und Konsolen-Spiele aufmerksam, welche ideologische und korrupte Kultur sich in der Welt der Journalisten gebildete hatte, die über ihr Hobby – eine Milliarden-Dollar-Industrie – schreiben. Versteckte Werbung, Mitbewohner die über ihre Mitbewohner positive Berichte schreiben, ohne auf die Verbindung hinzuweisen, und dann noch die Mailingliste, auf der sich konkurrierende Journalisten ideologisch gleichschalteten und gegenseitig aufstachelten, Entwickler und andere Journalisten entlang politischer Linien hoch oder runter zu schreiben, alles wurde publik.

Anstatt sich für das Vergangene zu entschuldigen und einen Neuanfang zu versuchen, wählten die Autoren den Angriff und erklärten in unterschiedlichen Beiträgen, auf unterschiedlichen Medien, am gleichen Tag erschienen, ihre „weißen, männlichen, Gamer Leser“ für schreckliche Menschen, ja sogar für tot.

Der Fall Zoe Quinn

Am Anfang von #GamerGate stand nun einmal der Fall Zoe Quinn. Diese Veteranin des Troll- und Belästigungsforum helldumb auf dem Portal Something Awful2 inszeniert sich als das unschuldiges Opfer einer Hasskampagne, und sammelt fleißig Spenden aus aller Welt. Das Geld des Vaters ihres Lebensgefährten, dem Rüstungsunternehmer David Lifschitz, kaufte ihr vor kurzem eine Anhörung im Kongress der USA.

Die Worte haben bereits Gewalt ausgelöst. Sie haben bereits verletzt. Anne Wizorek über Kommentare im Internet

„Die Videospielentwicklerin Zoe Quinn war das erste Ziel von GamerGate und wird seit August 2014 belästigt und bedroht, und das zwar täglich.“ So klang es in Wizoreks re:publica Vortrag. „August 2014“ wiederholt Wizorek und lässt eine Pause folgen.

Vergleich Zoe Quinn / Aufschrei / GamerGate Ethics Der direkte Vergleich: Zoe Quinn wird nur genannt, wenn sie mal wieder das Opfer in den Medien spielen darf (orange Linie). Tage vergehen ohne einen einzigen Tweet. Das Wort „Ethik“ wird im Zusammenhang mit #GamerGate mehr als 100x öfter gebraucht (grüne Linie).3

Selbst die Feministische Organisation WAM konnte nur eine sehr geringe Überschneidung zwischen als #GamerGate Unterstützer eingeschätzten Twitter-Nutzern und an WAM gemeldeten Belästigungs-Accounts feststellen4. Wobei der Grad der Belästigung bei den verbleibenden Fällen bestenfalls als subjektive Einschätzung gelten kann5.

Wollen wir nun wirklich die Arschlöcher aus dem Internet vertreiben? Für mich gehört Frau Quinn in jedem Fall in diese Kategorie, genau wie viele andere aus der reaktionären Anti-GamerGate Bewegung, nie um eine Entschuldigung für die eigenen Lügen und Agitationen verlegen, wie sie ist. Die Gründe für Zensur sollten besser klar sein. Der Feminismus im Jahre 2015 unserer Zeit sieht sich aber als gerechter Großinquisitor.

Ich verstehe den Dialog immer noch als Möglichkeit des gegenseitigen Erkenntnisgewinns.

Variante 1: Ich überzeuge mein Gegenüber, dass er falsch liegt.
Variante 2: Ich werde davon überzeugt, dass ich falsch liege.
Variante 3: Alles bleibt wie es ist. Niemand hat etwas gewonnen, aber auch – mit Ausnahme von etwas Zeit vielleicht – nichts verloren.

Ja, mit der losen Definition à la Wizorek und KonsortInnen, ist es mir lieber, die „Arschlöcher“ verbleiben im Internet.

Betroffene sind auch immer Expertinnen und Experten ihrer Situation und müssen auch als diese gehört werden. Anne Wizorek über die vermeintlichen „Opfer von Hasskampagnen“

Die miserable Trefferquote der Feministischen Lynchjustiz der letzten Monate, gibt nicht den geringsten Anlass, Frauen einfach zu glauben, wenn sie Anschuldigungen aussprechen. Der Bericht des Rolling Stone über eine gemeinschaftliche Vergewaltigung an der Universität von Virginia, in den USA, der tagelang auch in den Deutschen Medien als Symptom eines größeren, feministischen Problems präsentiert wurde, erwies sich als falsch. Als jüngstes trauriges Beispiel, ist der Fall des Matratzen-Girl von der Columbia Universität zu nennen6. Im Januar 2015 folgte sie der Einladung einer Feministischen Senatorin zur Rede zur Lage der Nation in den Kongress. Der junge deutsche Student, den sie der Vergewaltigung bezichtigte, war zu der Zeit schon von allen Anschuldigungen freigesprochen. Er konnte belegen, dass die Studentin auch nach der vermeintlichen Vergewaltigung seine Nähe suchte und nichts an ihrem Verhalten ihm gegenüber geändert hatte.

In den Augen von Autorinnen wie Jessica Valenti und Portalen wie ihrem Feministing.com, handelt es sich bei jedem Freispruch entgegen der Anschuldigungen einer Feministin, um eine schreckliche Ungerechtigkeit. Das Patriarchat bedient sich des Mittels der Vergewaltigung, um die Frauen klein zu halten – so die gängige Vermutung. In dem Fachgespräch nennt Anne Wizorek Feministing als positives Beispiel für pro-feministischen Journalismus.

Arik Platzek: Strafrecht ist zu Täterfreundlich Der Chefredakteur des Magazins Diesseits hält das Strafrecht für zu „täterfreundlich“7, weil das Wort von Frauen gleichwertig zu dem von Männern ist.

Auf der Suche nach den „Hasskommentaren“

Nach dem re:publica-Vortrag und vor ihrem Auftritt bei den Grünen, hatte ich einmal die Twitter-Suchmaschine TOPSI bemüht, um herauszufinden, wer Frau Wizorek dort Mord und Vergewaltigung androht, beziehungsweise ihr sagt, dass sie „mal wieder richtig gefickt gehört“, wie es der feministischen Selbstauskunft nach häufig geschieht. Gefunden habe ich nichts8 als Liebe und Kopfschütteln.

Traue mich nicht zu fragen, ob schon der Erste gesagt hat, die @marthadear müsse nur mal wieder ordentlich gevögelt werden. #hartaberfair @MmeDisaster (Quelle:Twitter)

Sie haben gerade den ersten und einzigen9 Tweet aus dieser Richtung, in Richtung von Anne Wizoreks Twitter-Account gelesen.

Wenn du angeschrien oder boykottiert wirst, man deine Sendung absetzt oder dich aus einem Internetforum ausschließt, ist das keine Verletzung deiner Meinungsfreiheit.

So steht es in dem Stichmännchen-Cartoon, den Wizorek auf der re:publica zeigt. Für ihre Kritiker wünscht sie sich Punkt für Punkt die Behandlung, die sie für sich selbst und ihre Freundinnen vorbehaltlos anprangert. Das Ironie-Meter schlägt in den dunkel-roten Bereich. Damit wären wir zu dem Kern des modernen Feminismus durchgedrungen: Die selbe Charakterschwäche, die sie in sich tragen, wird in allen anderen Menschen vermutet.

In der Vorstellung Wizoreks während des Fachgesprächs rückt Volker Beck mit der Information heraus, dass sie jetzt als Sachverständige an dem Gleichstellungsbericht der Bundesregierung mitarbeiten wird. Gehen wir von Wizoreks Objektivität der Vergangenheit aus, werden wir gut damit fahren, auf diesen Bericht keine Handlungen für die Zukunft zu stützen.

Lösung? Glauben sie uns, geben sie uns Geld!

„Dies sind in der Regel Initiativen von Betroffenen, die einfach gemerkt haben, dass es nicht mehr anders geht, dass sie das selber in die Hand nehmen müssen, dass die Plattformen, die sie gerne mögen, und eigentlich benutzen möchten – für ihre Arbeit – nicht den Job machen, den sie eigentlich machen sollen.“ sagt Wizorek auf der re:publica und ruft zum Spenden für Belästigungsverhinderungs-Netzwerke auf.

Was diese Netzwerke tun sollen, wird natürlich offen gelassen. Wenn die Initiative WAM aus Amerika ein Indikator ist, wird nichts Gutes dabei herum kommen. WAM durfte für ein paar Tage Twitter-Belästigungs-Hinweise eskalieren. Ohne irgendetwas gesagt zu haben, was auch nur im Entferntesten gewalttätig ist, flogen sofort einige prominente Kritiker professioneller Feministinnen wie Anita Sarkeesian von Twitter.

Doppelmoral und Ironie

Wie gesagt: Hate Speech, nicht Kritik. Anne Wizorek

Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Du kritisierst mich, auch mal mehr, weil ich mich unethisch verhalte? Du bist ein Belästiger! Man sollte dich verbannen! Ich kritisiere dich, weil du ein heterosexueller weißer Mann bist? Warum willst du denn die Kritik nicht annehmen?! Privilegien!

In dem Fachgespräch sitzt Wizorek die meiste Zeit vor ihrem Twitter Account. Mich hat das sehr überrascht, las ich nicht vor kurzem ein Interview, in dem sie behauptet, ein Freund sortiere ihre Twitter-Nachrichten vor10. Diesem Bild nach können Frauen alles tun und brauchen keine Männer, außer sie können nichts tun, ohne ihre Männer. Noch nicht einmal die Kommentare – positiv wie sie sind – lesen, die ihre Aussagen ihnen einhandeln. Ebenso seltsam mutet die Initiative der Vereinten Nationen Frauen-Abteilung für mehr Gleichberechtigung an. #HeForShe – also Er für Sie – lautet der Titel des von Schauspielerin und Multimillionärin Emma Watson beworbenen Aufrufs.

In ihrem Statement nach dem Fachgespräch11 traut sich Frau Wizorek dann wieder mehr. Der Kampf gegen sie und Feministinnen findet angeblich statt: „wenn zum Beispiel mein privater Twitter-Account angegriffen wird – mit Hasskommentaren – und versucht wird, mich aus diesem Raum zu verdrängen, dann ist das ein Beispiel davon.“

Auf kritische Stimmen im Internet sollten objektive Journalisten nicht hören, verlangt sie, weil: „Und da haben wir dann zum Beispiel das Problem, dass Journalistinnen und Journalisten, die sich nicht dieser Dynamiken bewusst sind, das dann fälschlicherweise als 'ne Mehrheitsmeinung wahrnehmen, obwohl hier eindeutig, ja, maskulistische, anti-feministische Dynamiken am Werk sind.“

Und da ist sie wieder, die tiefe Ironie, die sich unweigerlich einstellt, wenn man lange genug einer Feministin zuhört. Die Einsicht, welche Dynamiken da am Werk sind, habe ich mir sehr gewünscht, als so viele Zeitungen und selbst Öffentlich-Rechtliche Medien auch in Deutschland nichts als Halb- und Unwahrheiten über #GamerGate publizierten, und ihre Kommentarspalten schlossen, wenn es Fakten, Kritik und Downvotes hagelte.

Was Hetero-Mann stattdessen erhält sind Anfeindungen, Unterstellungen und Anschuldigungen der Objektivierungs-Entmenschlichungs-Hexerei.

Es gibt da definitiv Leute, die sich da diesbezüglich im Recht sehen. Also die sehen nichts falsch daran, _________ herabzuwürdigen und _________ als bessere Menschliche Wesen zu empfinden und dergleichen. Ähm, dann gibt's aber auch wiederum Leute, sag' ich mal, die so Mitläuferinnen und Mitläufer sind, die sich dann da reinziehen lassen, weil sie auch mit Falschinformationen gefüttert werden und dann natürlich, auf Grund dieser Falschinformationen, ähm, bestimmte Feindbilder akzeptieren oder als gegeben hinnehmen, die eigentlich so nicht der Wahrheit entsprechen.12 Anne Wizorek

In die beiden Lücken müssen sie die Namen der Geschlechter einfüllen. Frau Wizorek und ich würden das genau umgekehrt erledigen.

Bleibt nur noch zu sagen: Folgen Sie den Links, hören Sie der Gegenseite zu. Im Gegensatz zu den Feministen habe ich damit nicht das geringste Problem.