Zurück zu Teil 1: Homosexuelle in schlechter Gesellschaft

Feminismus kämpft gegen das Patriarchat, das ist die Gesellschaftsform, in der wir gerade leben, in der Männer als Norm hingenommen werden. […] Es geht um die gesamte Gesellschaftsstruktur, die so aufgebaut ist. Es fängt schon damit an, dass immer noch die Vorstellung existiert, Männer seien das starke und Frauen das schwache Geschlecht. Dementsprechend seien Männer natürlich viel kompetenter und dürfen Dinge tun, die man den Frauen nicht so ohne Weiteres zutraut. Das ganze System ist ungerecht, insofern finde ich es schwer, einzelne Gegner zu nennen.1 Anne Wizorek

Seit der Forderung Luise Puschs2, einfach mehr Pilotinnen herbeizuzaubern, weil ja bekanntlich deutlich mehr Männer als Frauen Selbstmord begehen, ist die Tatsache auch in Deutschland bekannter geworden, dass die Feministische Theorie von der Überlegenheit der Weiblichkeit überzeugt ist. Aus dieser überlegenden Position fordert der Feminismus Check your privilege und kämpft den Kampf gegen alle mystischen Monster, die angeblich die Frauen klein halten. In der Anglosphäre ist das Video3 des von Studenten der Gender Studies an der Universität Toronto organisierten Protests gegen einen Vortrag Warren Farrels4 seit 2013 berüchtigt.

Der Grund für die höheren Zahlen der Selbstmorde unter Jungen und Männern im Vergleich zu Mädchen und Frauen5 ist der Ansicht der Feministen zur Folge in der giftigen Männlichkeit zu suchen. Sie meinen, daran sehe man, dass die Herrschaft der Männer – das allgegenwärtige Patriarchat – auch Männern schadet. Für Männer muss also nichts getan werden. Es genügt, sich weiter ganz auf die Frauen zu konzentrieren. Alles andere wird sich finden.

Feminist Frequency: Giftige Männlichkeit Anita Sarkeesian: Amokläufe liegen in der Erbsünde giftiger Männlichkeit begründet.

Die Sorgen und Nöte, die Männer haben, sind schnell abgetan. Für alles steht zur Erklärung ein Anglizismus parat:

  • Du willst uns sagen, dass wir unrecht haben? Mansplaining!
  • Du meinst, wir sollten dir auch zuhören? Male Entitlement!
  • Männer haben das Nachsehen? Male Tears!

Badet in Männertränen. Jessica ValentiBadet in Männertränen: Jessica Valenti – Guardian Kolumnistin und Gründerin der Website Feministing.com (Quelle: Twitter)

Und so sitze ich bei dem Fachgespräch im Bundestag, wo die Feministen nehmen Abgeordneten sitzen, die scheinbar alle ihre Ansichten Teilen und morgen entsprechende Gesetzesentwürfe vorbringen können, die auf selbigen beruhen und unsere Leben beeinflussen. Ich versuche angestrengt einen Weg zu finden, wie ich die Leute trotz der genannten Punkte erreichen kann.

Bundestagsabgeordnete Ulle Schauws nennt die Geschlechterforschungs-Professorin6 Hark „Sabine“. Sabine und die übrigen Experten formen keinen klaren Gedanken, fühlen sich aber missverstanden, und wiederholen, wie leicht es doch ist, die Argumente gegen ihre Ansichten zu widerlegen. Niemand macht sich die Mühe, ein Beispiel anzuführen.

Volker Becks Angry-White-Men Bemerkung zu Beginn und Vage Andeutungen über Privilegien, die angeblich ungern aufgegeben werden, sind der einzige Zusammenhang des Fachgesprächs, in dem es wahrscheinlich um heterosexuelle Männer ging.

Neue Ideen zur Sexualaufklärung wollen die Diskutanten nicht als „Frühsexualisierung“ bezeichnet wissen. Es wird ein Koffer mit verschiedenen Büchern angesprochen. Neben einem Buch, dass wohl Frauen den Mechanikerberuf schmackhaft machen möchte, ist darin auch das Buch mit dem Titel „Herr Seepferdchen“ zu finden. Der Titel spielt auf die Tatsache an, dass Seepferdchen-Männer als einzige bekannte Kreaturen ihre Nachkommen austragen. Eine sehr unterschiedlich realistische Zielsetzung, würde ich sagen.

Die rassistischste Erfindung, seit es Schokolade gibt

Schwarze Frauen wachen morgens auf, gucken in den Spiegel und sehen schwarze Frauen. Weiße Frauen wachen morgens auf, blicken in den Spiegel und sehen Frauen. Weiße Männer wachen morgens auf, schauen in den Spiegel und sehen Menschen. Michelle Haimhoff

Annahmen wie diese begegnen uns heute häufig in der Feministischen Theorie. Die Benachteiligungen von Frauen muss scheinbar noch weiter aufgeschlüsselt werden, um gerecht zu bleiben. Warum sehen sich jetzt die Frauen nicht als Menschen? Bestimmt weil ihnen die Gesellschaft sagt, dass sie keine sind – ganz subtil, versteht sich.

Die verschiedenen Arten, wie ein Mensch unterdrückt sein kann, weil sie kein heterosexueller Mann ist, werden in der Intersektionalitätstheorie erdacht. Die Lehren dieses dominanten Bereiches der Feministischen Theorie besagen nicht etwa, dass Rasse keine Rolle bei der Beurteilung einer Person spielen sollte, sondern das genaue Gegenteil. Auch an Deutschen Universitäten wird in den Gender Studies jetzt wieder die Rassenfrage gestellt7. Wie schon der Feminismus eine Diskriminierung wittert, wenn in einer Subkultur ein Frauenmangel herrscht, wird auch stets die Abstammung der Leute festgestellt.

Man muss sie aufbrechen, die alten Machtstrukturen der weißen Männer: Alles andere ist Rassismus und Sexismus. Die Teilnehmer des Fachgesprächs sind der Ironie gegenüber taub, die irrationale Gegenbewegung zu ihrer irrationalen Gegenbewegung zu beklagen.

Der Mainstream ist radikal

Der Britische Independent (eine Tageszeitung mit einer Auflage von 264.0008) publizierte diesen März einen Artikel9 mit folgender Überschrift:

Weiße Männer sollten nie wieder Ämter an Britischen Universitäten bekleiden
Es wird sich nichts ändern, wenn wir sie alles steuern lassen.

Man stelle sich diesen Artikel mit irgendeiner anderen Gruppe als weißen Männern vor. Wie groß wäre wohl die Empörung?

Feminist Frequenzy Anita Sarkeesian, auch in den Deutschen Medien ein Feministen-Liebling, ist von der Rassentrennung in Schulen überzeugt10.

Die People of Color werden auch bei dem Fachgespräch erwähnt. So stellen sich die Geschlechterforscher die politisch korrekte Bezeichnung für Menschen mit dunklerer Hautfarbe als den durchschnittlichen Mittel- und Osteuropäer vor.

Und dann gibt es da noch den Fall Bahar Mustafa aus dem Mai. Diese Vielfältigkeits-Beauftragte der Goldsmiths Universität in London hielt es für eine gute Idee, weiße Männer zu bitten, sie mögen doch nicht zu Mustafas Treffen auf dem Gelände der Universität erscheinen, weil sie dort nicht willkommen sind. Konfrontiert mit der berechtigten Kritik zu ihrer rassistischen Aktion, schrieb sie bei Twitter – ganz sachlich – „Kill all white men“.

Die Profi-Journalisten von Slate11 und Newsweek wollen den Code in Mustafas Aussagen geknackt haben. Alles ganz ironisch gemeint, so ihr Fazit. Tolle Sache dieser Feminismus. Zumindest für den Moment kann ihm einfach keine Dummheit etwas anhaben.

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