„Sie können auch auf die Herrentoilette gehen, da ist noch was Frei“ rät die Reinigungskraft im Berliner Hauptbahnhof einer Gästin der Toilettenanlage.

Es ist nur passend, dass dieser Tag mit geschlechtlicher Trennung beginnt, die zum Wohl der Frauen auch ohne Zögern aufgehoben werden darf. Ich bin auf dem Weg in den Bundestag, die Fraktion der Grünen hat zum Fachgespräch geladen. „Wer will die Uhr zurückdrehen?“, fragen sie sich angesichts russischer Gesetze gegen Homosexuelle Propaganda, offene Gewalt gegen Homosexuelle und der Tatsache, dass Feministinnen und zweifelhafte Wissenschaftler der Geschlechterstudien belächelt werden und auf Twitter auch mit einer Minderheit konfrontiert sind, die ihre Meinung argumentativ ablehnen.

Im Gegensatz zu meiner heteronormativen, weiblichen Begleiterinn wird mir am Eingang des Marie-Elisabeth-Lüders-Haus1 das Privileg zu Teil, von einem Staatsbediensteten auf spitze Gegenstände abgetastet zu werden.

Angry White Men*

Volker Beck redet zur Begrüßung von Angry White Men die in Amerika „unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit“ gegen die Gleichstellung Homosexueller vor dem Recht argumentieren. Der selbe Volker Beck, der als offen homosexueller Bundestagsabgeordneter die Verstümmelung unmündiger Kinder vor dem Bundestag mit der Religionsfreiheit der Eltern und der unmündigen Kinder rechtfertigte, und einer Kollegin riet:

Aber vielleicht hilft da auch mal doch, egal ob man religiös, öhm, musikalisch ist oder nicht, ein Blick in die Heilige Schrift.2 Volker Beck

Gemeint ist das Alte Testament, das nach der jüdischen Weltsicht die Bescheidung zum achten Tag nach der Geburt vorsieht. Dem gleichen Buch ist zu Volker Becks natürlicher Zuneigung zu Menschen des gleichen Geschlechts folgende Anweisung zu entnehmen:

Wenn jemand bei einem Manne liegt wie bei einer Frau, so haben sie getan, was ein Gräuel ist, und sollen beide des Todes sterben; Blutschuld lastet auf ihnen.3 3.Mose 20,13

Der Anhörungssaal aus meiner Sicht

Der Journalist Peter Gerhardt zeigt Ausschnitte aus seinem Film über Homophobie. Richtigerweise stellen die Anwesenden fest, dass es eine Beziehung zwischen einer religiösen Weltanschauung und Vorbehalten bis zur offenen Feindseligkeit gegen Homosexuelle gibt. Mit Autor Akif Pirinçci und Journalist Matthias Matussek auf der einen, Journalistin Birgit Kelle und AfD Politikerin Beatrix von Storch auf der anderen Seite, herrscht überraschende Geschlechter-Diversität unter den Angry White Men der „Emanzipationsgegner“, die auf dem Podium identifiziert werden.

Pirinçci darf sich auch in Peter Gerhardts Film selbst darstellen. Es braucht nicht viel den Raucher unsympathisch wirken zu lassen. Er ist – auch meiner Meinung nach – ein Naturtalent. Wenn Matthias Matussek nicht gerade aus den falschen Gründen recht hat, was Feminismus angeht, schreibt er auch gerne Verteidigungen für christliche Totalität4. Es sollte klar sein, dass ich die viel gepriesenen absoluten Werte der Religion, die auch die Damen Kelle und von Storch vertreten, für einen denkbar schlechten Gradmesser zur Beurteilung von Menschen erachte.

Die Runde fragt sich warum immer diese Leute eingeladen werden, um im Fernsehen mit Feministinnen zu diskutieren. Dieser Bogen wird in der Diskussion häufig geschlagen. Man wechselt nach belieben in der Thematik, als handle es sich um ein einziges. LGBTQI. Leute die Homophobie kauften, kauften auch Anti-Feminismus. Ich unterhalte mich seit etwas über einem Jahr fast täglich mit Menschen, die große Schwierigkeiten mit den Feministischen Grundannahmen, der mangelnden Ehrlichkeit der Feministen und ihrem Hang zur Zensur haben. Keiner von diesen Gesprächspartnern hat das geringste Problem mit Homosexuellen offenbart.

Dan Savage: Held der Schwulen, Unmensch in den Augen der Antifa

Erste Zweifel, ob der Feminismus so eine positive Angelegenheit ist, kamen mir, als ich mich einmal im Januar 2014 auf einen Kaffee mit einer Medizinstudentin traf, die ich beim Humanistischen Verband kennengelernt hatte. Ich hätte nicht gedacht, dass sich so eine Bekanntschaft als richtiger Menschenfeind entpuppt.

Diese Feministin (Twitter Biographie: „All men must die.“) rümpfte die Nase, als ich ihr von dem Buch vorschwärmte, das ich gerade durchgelesen hatte.

Gibt alles, um denen zu begegnen, die ihm seine Lebenswirklichkeit absprechen

Dan Savage, dieser schreckliche, transphobe Mensch? Ich war davon überzeugt, dass hier eine Verwechselung vorliegen musste. Aber nein. Savage ist eine der wenigen Amerikanischen Berühmtheiten, die in Europa beinahe unbekannt sind. Er ist ein politischer Menschen – ein Intellektueller, so weit man das von einem Sex- und Beziehungskolumnisten sagen kann.

Meinen Respekt hat sich Savage durch seinen Umgang mit den Menschen verdient, die seine homosexuelle Lebensweise für eine Sünde halten. Sie empfängt er sogar in seinem eigenen Haus zum Essen5.

Der Einfluss seiner It Get's Better Kampagne auf den Gezeitenwechsel in der jüngsten US-Politik, lässt sich schwer beziffern. Fakt ist: über 50% der Amerikaner sehen mittlerweile kein Problem mehr mit homosexuellen Partnerschaften in ihrem Land.

Und was ist das Problem mit diesem aufrechten Menschen?

  1. Kalifornien hat 2012 mehrheitlich für einen Volksentscheid gestimmt, der die Ehe für homosexuelle Paare wieder abschaffen sollte. Im liberalen Kalifornien hat dieser von den Mormonen aus Utah mit Millionen unterstütze Volksentscheid vor allem unter den Schwarzen und Südamerikanischen Bewohnern viel Anklang gefunden. Diese Gruppen sind sehr christlich geprägt. Dan Savage hat diesen Umstand erwähnt, was dazu führte, dass er als Rassist bezeichnet wurde.

  2. Dan Savage hat einem Mann geraten, mit seiner Geschlechtsumwandlung noch zu warten, bis der Sohn des Mannes die Schule angeschlossen hat, weil: „So sehr man es sich auch wünschen würde, dass die Gesellschaft in dieser Hinsicht toleranter ist, sie ist es nicht“. Also ist Dan Savage ein Unmensch, der Angst vor Transsexuellen hat.

Diese Anschuldigungen haben ihren Weg bis in die Reihen der deutschen Antifa gefunden, der auch die Grüne Jugend mit ihren weiblichen und nicht-weiblichen Mitgliedern6 nah steht.

Feministen sind nicht zwangsläufig Freunde der Schwulen. Mit Milo Yiannopoulos und Andrew Sullivan befinden sich in ihren Reihen einige der glaubwürdigsten Kritiker der Feministischen Perspektiven. Politisch standen die Schwulen in Deutschland besonders der FDP nah. Was es bedeuten kann, wenn der Staat in die Schlafzimmer vordringt, wissen Schwule nur zu gut. Daraus erklärt sich die Nähe zu liberalen Positionen. Ganz im Gegensatz dazu haben die Feministen die neue Linke weltweit geprägt. Sie sehen die Unterdrückung der Frau als direktes Resultat gesellschaftlicher Strukturen und tatsächlich in einem marxistischen Zusammenhang7.

Die selben Feministen, die sich gemeinsam mit mir und allen Aufgeklärten über die Unterstellung echauffieren, man könnte Schwulen ihre Sexualität aberziehen, schreiben Bücher, und halten Reden über ihre Änderungsgebote an die heterosexuelle männliche Sexualität, die sie als problematisch erachten.

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